Schwäbischer Albverein
Ortsgruppe:
Illingen-Schützingen

Gochsheim -Flehingen

Gochsheim - Flehingen

Gochsheim - Flehingen

Gochsheim - Flehingen

 

 Ortsgruppe Illingen / Schützingen
HT - Wanderung am: 17.10.2012
 
Von Gochsheim nach Flehingen
Durch das 1000 Hügelland (Kraichgau)
 


 

 

 

 

 

Wanderführer:
Frieder Queitsch
Wandergruppe:
 

Vorwanderung: Gochsheim nach Flehingen
     
Braune Schafe Gochsheim Historischer Teil Als Vesperplatz vorgesehen
Gochsheimer Rundweg Hohlweg herbstlich gefärbt Flehingen (Alter Gutshof)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 
 
 
Eine kleine Einstimmung meiner Wanderung mit den Vorwanderbilder.
Euer Wanderführer

Frieder Queitsch

 

 

Halbtageswanderung: Gochsheim - Flehingen. "Durch das Kraichtaler 1000 Hügelland".

Tschja, Frieder hatte mal wieder eine Wanderung. Wer meine Berichte bisher verfolgt hat weiß, dass ich immer für eine Überraschung gut bin. Wie kann es anders sein.  Obwohl alles penibel geplant und die Vorwanderung perfekt verlief, konnte eigentlich nichts mehr passieren, meinte ich. Doch 2 Tage vor meiner eigentlichen Wanderung schien mal wieder alles anders zu laufen. Ein Anruf des Bürgermeisteramts Gochsheim verriet nichts Gutes. Meine Führung in der Sonderausstellung könnte nicht angeboten werden, da die Dame nicht eingewiesen sei und außerdem die Führung im Schloss in Preis beinhaltet wäre. Bestellt hatte ich nur die Sonderausstellung um 13:00 Uhr. Außerdem sei eine Führung vor 13:30 Uhr nicht möglich. Platsch, schon lag ich auf der Nase und hatte ein Problem, das es bis zum nächsten Tag zu lösen gab, denn da startete meine Wanderung. Einige eilige Telefonate führten dann doch noch zum Erfolg. 15 Minuten in der Sonderausstellung und 45 Min. im Schloss sollten es werden. Na bitte, es geht doch.

Beruhigt ging ich schlafen und mein Wecker blieb auch nicht stehen, sondern weckte mich pünklich, wie er es immer tat. Am nächsten Morgen kam eine weniger gute Nachricht per Telefon. Unsere Getränke für das Schlosskonzert können nicht wie vorgesehen, am Donnerstag sondern nur am Mittwoch geliefert werden. (Elke und ich besorgen die Pausenbewirtung bei den Schlosskonzerten.). Also musste meine Frau zu Hause sein, um sie in Empfang zu nehmen. (Was habe ich nur verbrochen, dass bei mir immer wieder alles schief läuft?) Das habe ich mich gefragt. Trotz der Panne marschierte ich ohne meine Frau auf den Bahnhof. Ich fuhr  mit der Straba S9 meiner Wandergruppe entgegen und wollte sie in Mühlacker in Empfang nehmen. Die Bahn aus Illingen kam einigermaßen pünklich und ich sah, wie meine Wandergruppe sich durch die Schiebtüre der Bahn zwängte; um in die Brus´ler Bahn umzusteigen. Ich wollt ihnen entgegen gehen, ein druck auf den Öffnungssensor  und da........... nichts passierte außer, dass die Türöffnungslampe rot blinkte. Draußen winkten mir die Wanderer zu, ich solle halt aufmachen. Also probierte ich das selbe Prozedere noch einmal. Die Türen hatten scheinbar einen schlechten Tag erwischt, denn sie verweigerten ihren Dienst und zeigten uns, wer der Herr der Bahn ist.
Ich kam mir wie ein Fisch im Aquarium vor, denn ich lief an den Scheiben entlang zum nächsten Öffner der vermutlich ganz schnell der ÖG (Öffner Gewerkschaft) beigetreten war und sich dem Streik anschloss. Draußen drückten die Wanderer sich die Nasen platt und verfolgten meine Versuche die Türen zu öffnen. Endlich erschien der Fahrer und beruhigte mich. Und tatsächlich, nach einer kleinen Weile und mehreren Öffnungsversuche und gutem Zureden gaben die Türen ihren Streik auf und öffneten sich.
 
Über die Lautsprecheranlage verkündete der Fahrer, dass wir in Bretten in eine andere Bahn (Ersatzbahn) umsteigen müssten. Und ich sah meine ganze Planung ins Wasser fallen.
 
In Bretten standen wir dann auf den Bahnsteig herum und warteten  auf den Ersatzwagen, der dann ganz plötzlich, wie aus dem Nichts erschien. Wir bestiegen das  neue Fahrzeug und schon bewegte es sich nach Bruchsal. Die Straba beeilte sich so sehr, dass sie die Verspätung in Bruchsal fast aufgeholt hatte. Pünklich konnten wir dann mit der nächsten Bahn von Bruchsal nach Gochsheim weiterfahren. Bravo, das ist Service!
 

 Bild 1. Warten auf die Ersatzbahn
 Bild 2. Da kommt sie schon!
Am Bahnhof Gochsheim sammelten wir uns und die Stimmung schlug hohe Wellen. Weißt Du Frieder warum wir so gerne zum Wandern zu Dir kommen? Weil bei Dir geht es immer abenteuerlich zu, da man nie weiß, was bei Dir passiert. So, oder ähnliches, muß ein Wanderführer mit einem Schmunzeln im Gesicht abhalten können.
 
Nach 15 Minuten Fahrt entstiegen wir der Bahn. Gochsheim lag vor uns auf dem Berg. Zuerst einmal querten wir die Kraich,
streiften eine alte Mühle, die noch vor nicht langer Zeit Getreide zu Mehl verarbeitete.  Ein großes  Mühlrad, das erst aufwändig restauriert wurde, zeugte noch von der Tätigkeit eines Müllers. Danach bogen wir auf einen Trampelpfad ab und liefen paralell zur Kraich. Durch das Kraichtal strebten wir über einen steilen Anstieg dem Schloss entgegen. Auf halber Höhe konnten wir uns auf einer Bank vor dem Bäckereimuseum und Zuckerbäckermuseum das obligatorische Gruppenbild aufnehmen. Übrigens, zu Ostern werden dort noch Hasen aus rotem und braunem Zucker gegossen. Auch die Herstellung von Schokoladenhasen kann man vor Ort begutachten und natürlich auch kaufen. Vorbei am schönsten  Fachwerkhaus von Gochsheim, dem früheren Wagnerschen Haus, das seit seinem Bestehen immer einen Kaufladen beherbergte, der aber in der Neuzeit zu einem wunderschön restaurierten Fachwerkwohnhaus mutierte. Es gehört einem Architekten, der leider vor einem Jahr verstarb.und es alleine mit seiner Frau ausbaute. Aber nicht nur das, sondern auch wie zu einem Museum einrichtete. Wer schon mal das Glück hatte bei Rheinstädter´s hereinschauen zu dürfen, weiß was ich meine. Der Name Rheinstädter läuft uns in Gochsheim immer wieder über den Weg. Neuaufbau der Felsengartenanlage, das Gochsheimer Schloss, das Menzinger Wasserschloss und vieles andere mehr, waren seine Aufgaben. In vielen Festen wurde er bekannt als Spezialist für Stock- und Schmalzbrote.
     
 Das Bäckereimuseum                           Die Wandergruppe                           Gochsheim Altstadt m. mächtiger Kirche
Seine Gedenkausstellung im Schloss war unser Ziel. Weiter den Berg hinauf, begegneten wir dem schönen Rathaus, der alten Sandsteinkirche und schon standen wir im Schlosshof. Irmela las uns die Hinweistafeln vor, die an den alten Fachwerkhäusern angebracht waren. Jetzt erschien Frau Jarosch unsere Führerin, die uns vergeblich aus der falschen Richtung erwartete. Im Schlosshof begann die Führung  und wir erfuhren, dass Gochsheim nicht immer zu Baden gehörte, sondern, man höre und staunte auch eine ganze Zeit  Württemberg zugesprochen wurde. Erst später erhielt das Ebersteiner Geschlecht das Schloss. Sie erichteten die Mauer um das Dorf und erhielten die Stadtrechte. In den Mauern siedelten sich reiche Kaufleute an, denn die Mauer gab Ihnen Schutz vor Überfällen. 2 Mal brannte Gochsheim total ab, wurde aber immer wieder aufgebaut. Heute noch hat Gochsheim die Ebersteiner Rose im Stadtwappen. Die Ebersteinsburg im Murgtal bei Gernsbach gehörte ebenfalls den Ebersteiner.
     
               Im Schlosshof                                      Interessierte Zuhörer                       Schloss Portal mit Wappenstein
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             Bügeleisenmuseum                               Waschgtag um 1900                          Noch mehr Bügeleisen
 
     

 Im Schloss erhielten wir einen ausführlichen Überblick über die Sehenswürdigkeiten im Schloss

  • Das Schloss
  • Die Stadtteile von Kraichtal
  • Die Hubbuch Ausstellung
  • Der Rittersaal mit historischen Bildern
  • Das Schlossmodell von Hajo Rheinstädter in 11000 Stunden von originalen Plänen nachgebaut. Leider hat mein Kamera einen Ausfall gehabt.
  • Die Erneuerung der Steinmauergärten

1:45 Std. hielten wir uns im Schloss auf und ließen die historischen Salven von unserer engaschierten Führerin über uns ergehen.

Die Ausstellung der schrägen Gestalten aus Altmaterial kamen etwas zu kurz. Trotzdem erlebten und  staunten wir über einen metallenen Fahrgast, der Halt suchend, sich sinnvoller Weise an der Notbremse festhält. Dann der "Zielkonflikt": Zwei Figuren die Mönchen ähneln, sich an der Hand haltend und in 2 verschiedene Richtungen wollen. " Der Zeitgeist", dessen Kopf als eine alte Uhr die Zeit anzeigt. Er sitzt grübelnd auf einem Stein und frägt sich, wo die Zeit geblieben ist, u.s.w.

Die Hubbuch Ausstellung ist in Deutschland einzigartig. Hubbuch ist ein Maler, der im KZ überlebt hatte und seine Erlebnisse in Bilder weiterleben ließ. Er war Professor an der Kunstakademie in Karlsruhe und hatte seine Geburtsstätte in Neuenbürg, ganz in der Nähe von Gochsheim.

Das Bügeleisen Museum ist in Deutschland das Größte und zeigt aus jeder Zeitepoche die entsprechenden Bügeleisenmodelle.

Insgesamt war es eine vielseitige Führung. Vielleicht hätte man mehr Zeit haben sollen. Nochmals ein Dankeschön an unsere Führerin Frau Jarosch.

Unser Magen zeigte uns, dass es langsam Zeit für eine Mahlzeit wird. Frieder hatte zuvor Brezeln eingekauft, die die Wanderer dankbar annahmen.

Dann endlich war es soweit, die eigentliche Wanderung konnte beginnen. Steile Stufen, die ins Tal führten forderten unsere Beinmuskeln heraus. An der Hauptstraße entdeckten wir dann das Scharfrichter Haus. Hier wurde der Klient enthauptet, die Hand abgeschlagen, oder die Daumenschrauben angelegt, oder gerädert. Für all diese Arbeit wurde er gut bezahlt und genoss dadurch hohes Ansehen. Kurz darauf verließen wir Gochsheim, um einen weiteren Anstieg des Weges zu bewältigen. Jetzt kam auch der Zeitpunkt, wo Frieder seine Schäfchen zur Tränke führte. An einer gefassten Quelle war der geeignete Platz, um das mitgebrachte Rucksackvesper einzunehmen.

   
        Steintreppenabgang vom Schloss ins Tal                             Steingärten                            Scharfrichter Haus
     
     Der Schlossturm                      Das Schloss der Ebersteiner                         Unser Vesperplatz m. Quellfassung
Gut gestärkt, packte die ganze Mannschaft ihre Siebensachen zusammen und wohlgemut stapften wir weiter den Berg hinauf, durch eine steile Hohle. Oben angekommen, empfing uns eine wunderschöne Aussicht über das Hügelland Kraichgau. Rechts von uns, ein kleiner Hügel, genannt "Hundseich". Auf der linken Seite grüßte uns von der Ferne, der Götzenberg, auf dem das Wasserreservoir von Flehingen thront, herüber. Vor uns konnte man schon die ersten Häuser von Flehingen sehen, die ein wenig über den Horizont ragten. So wie die Häuser auftauchten, so schnell verschwanden sie auch wieder, denn wir mussten jetzt ein Tal durchqueren und vor uns lag ein Abstieg, der Einigen scheinbar in die Knochen ging. Nach dem Abstieg, so wollte es der Wanderweg, denn er zog sich immer leicht steigend nach links zu einer kleinen Anhöhe. Doch dann, nein nicht schon wieder. Der Weg bog rechts ab und zeigte uns, dass der Kraichgau einiges an Höhenunterschiede zu bieten hat. Schnaufend zog unsere Wandergruppe wieder einmal einen steilen Hang hinauf. So manch Einer hielt ein wenig an, um Luft zu schnappen. Auf der Höhe angelangt, wurden wir wieder durch eine schöne Aussicht belohnt und man vergaß die Mühe des Aufstiegs.
     
  Herbstzeitlose blühen am Weg  Wieder mal ein Abstieg    Der Herbst malt mit buten Farben

 

Doch keine 200 m geklettert, neigte sich der Weg unter unseren Füßen wiederum nach unten. Nimmt das kein Ende fragten sich so Manche. Jetzt versteckten sich die Häuser nicht mehr, denn sie lagen direkt vor uns auf dem nächsten Hügel. Nur noch einmal hinauf auf den Berg........nein beruhigte der Wanderführer Frieder, nun geht es nach rechts hinab ins Kraichtal. Ich glaube, dass alle froh waren das zu hören. Was sie natürlich nicht wussten, dass Frieder noch einen Aufstieg, der ´s in sich hatte, in seiner Wanderung versteckte. (Wenn die wüssten).

Unten im Tal angekommen hörte man den Kraichbach plätschern und immer am Bach entlang zog sich der Talweg bis nach  Flehingen hinein. Wo geht´s zur S - Bahn, war die Frage?  Frieder ging voraus bis zur Verbindungsstraße Flehingen - Gochsheim. Diese überquerten wir, um nun geradewegs den vor uns liegenden Wohnhügel zu ersteigen. Ca 200m lagen vor uns und die Strasse wurde immer steiler. Oben angelangt war eine Pause angesagt, jedoch Frieder drängte zum Weitermarsch. Nach einem kurzen Weg abwärts, lenkte Frieder die Gruppe nach rechts in einen Durchgang zwischen 2 Häusern. Der Bahnsteig der vor uns lag war schon von vielen Menschen gefüllt. Jetzt muss eine Straba kommen riefen alle, wenn so viele Leute hier warten. Ein Pessimist meinte: "Vielleicht fährt die auch nach Heilbronn"!

Es war genau 17:42 Uhr und ich wusste , dass wir 17:44 Uhr mit der Straba nach Bretten fahren konnten, schließlich hatte ich bei meiner Vorwanderung die Wanderzeit gestoppt und bin mit der gleichen Bahn nach Hause gefahren. Pünktlich fuhr die Bahn vor. Wir stiegen ein und alle hatten einen Sitzplatz. Bretten erschien, jetzt hieß es  in die Bahn nach Mühlacker /  Illingen umsteigen. Alles verlief wie am Schnürchen.

Endlich wieder in Illingen.

Für mich als Wanderführer war es ein vergnüglicher Tag. Ich war mit mir zufrieden und meine Wanderer zogen das Fazit:

"Jetzt wissen wir warum der Kraichgau auch das Land der 1000 Hügel heißt, denn 5 Hügel davon haben wir heute in 1:45 Stunden bestiegen, wobei die Wanderstrecke nur 5,7 km betrug". 185 m Höhenunterschied wurden erstiegen.

Wir Senioren können mit dieser unserer Leistung zufrieden sein.

Ich bedanke mich bei meiner Wandergruppe, dass sie so klaglos die Anstrengung auf sich nahmen.
 
Euer Wanderführer Frieder Queitsch.
 
 
Die Hügel-Wanderung im Kraichgau,
oder Kurzform der Wanderung.
 
Das Wandern macht uns große Freude
Glaubt es mir, Ihr guten Leute.
Im Kraichgau kann man vieles sehen,
in Gochsheim mal ins Schlösschen gehen.
In diesem prächtigen Gemäuer
ist´s manchem wahrlich nicht geheuer.
Schleichend auf den Wendeltreppen
muss´t man sich nach oben schleppen.
Rittersaal, Museums - Räume.
Bügeleisen, Kinderträume.
Jahreszahlen ohne Ende
Tolle Bilder sprechen Bände.
Vieles ha´m wir neu erfahren,
Schön, dass wir in Gochsheim waren.
Vor dem Schlosse unter Linden,
war´n die Wanderer zu finden.
Brezeln gab´s ganz ohne Geld,
ein Jeder hat sich angestellt,
um eine Brezel zu erhaschen
und die genüsslich zu vernaschen.
Wie kann denn das nur möglich sein,
das gibt´s halt nur im Albverein.
Über Treppen und Terassen
hat man uns ins Tal entlassen.
Von unten sah der kleine Tross
zum letzten Mal das mächt´ge Schloss.
Nun stieg der Weg den Berg hinan,
wir kamen bei n´er Quelle an.
Hier wurde erst einmal gerastet
Vesper raus und nicht gefastet.
Hernach, gestärkt mit viel Elan
Im Hohlweg ging man steil bergan.
Auf des Hügels Spitze war,
die Rundsicht einfach wunderbar.
Über Äcker, Wiesen, Felder,
Hügel, Täler, herbstlich bunte Wälder.
Und weiter ging es, auf und ab,
einmal langsam, mal im Trab.
Und so zog der Weg sich fort
Bis nach Flehingen in den Ort.
Die Straba brachte uns zurück,
Nach Illingen, ach welch ein Glück.
 
F.Q. 2012
 
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