Schwäbischer Albverein
Ortsgruppe:
Illingen-Schützingen

Stadtwanderung "Bruchsal"

Stadtwanderung "Bruchsal".

Stadtwanderung "Bruchsal".

Stadtwanderung "Bruchsal".

 

Stadtwanderung "Bruchsal" mit Schloss und Musikautomaten Museum.
  
 
Tageswanderung am:
21.Juli 2013
mit Stadt- und Schloss-besichtigung
und Beteiligung des Maulbronner Albvereins.
 
WF.: Frieder Queitsch
.

 

 

Ortsgruppe Illingen / Schützingen  
 

Am Sonntag den 21.Juli 2013 fuhr Frieder schon 06:30 Uhr nach Illingen um nachzusehen, ob überhaupt jemand vom Hauptverein am heutigen Sonntag  mitwandert, denn niemand hatte sich angemeldet, obwohl ich ausdrücklich darum gebeten habe. In Zukunft mache ich es umgekehrt und bitte diejenigen sich zu melden die nicht mitgehen.  Ich stand fast eine ½ Stunde am Bahnhof da kam, obwohl es Werner unserem Vorstand nicht so gut ging, mit seiner Frau und mir fiel ein Stein vom Herzen. Wie blamabel wäre es gewesen, wenn ich alleine ohne einen Illinger Albvereinler vor der Wandergruppe von Maulbronn gestanden wäre. Also waren wir zu 8, 4 Männer und 4 Frauen. Wir freuten uns sogar, dass wir nur zu 8 waren. Denn dabei ist die Wanderung intensiver und als Wanderführer kann man sich um jeden Einzelnen kümmern.

Auf jeden Fall stiegen in Maulbronn West  die 4 Gastwanderer ein. Die Begrüßung war herzlich, schließlich waren einige davon, wie auch wir, am Freitag beim Albvereins Singen im Schellenhof beieinander. Da kamen wir auf die Idee, in der Straba den Brus´ler Dorscht zu singen. Doch typisch für uns Schwaben, es ging nur der 1. Vers. Frieder unser Wanderführer zog, als ob er es gewusst hätte, einen Zettel aus seinem Geldbeutel, worauf alle überrascht feststellten, dass darauf alle 4 Verse der Bruchsaler Nationalhymne kopiert waren. Also legten wir los und bekamen einen freundlichen Beifall. So und nun kann man den Brus´ler Dorscht kopieren und für die Zukunft den Zettel  in den Geldbeutel stecken.

 
Bruchsal Schloss Bilder Original Text!
 Altgraf Kuno vom Kraichgauland

In Bruchsal angekommen ging die Gruppe schnur stracks  in den Luisenpark an der Lutherkirche vorbei in die Fußgängerzone. An der Stadtkirche (Kirche zur lieben Frau) erklärte Frieder seinen Wanderern, dass Bruchsal 1945 am 1. April durch einen Luftangriff zu 80 % zerstört wurde. Unter anderem auch die Stadtkirche und auch das Schloss Bruchsal. Etwa 1000 Bürger der Stadt wurden durch den Angriff getötet. Die Barocke Innenstadt wurde im damaligen Stil der 60 er Jahre schnellstens wieder aufgebaut, deshalb hat Bruchsal seinen Barocken Innenbereich verloren.

Wir hatten Glück, denn der Gottesdienst war zu Ende  und wir besichtigten den wieder aufgebauten Innenraum der Kirche. Beim Aufbau konnte man den Raum um den Altar nachgestalten, aber vom Kirchenraum selbst war nur Weniges noch erhalten. Deshalb wurde er in einem moderneren Stil fertiggestellt. Vor dem Ausgang sind noch die originalen Schlusssteine des Kreuzgewölbes an den Wänden ausgestellt.

Wieder im Freien, hatte Frieder eine Überraschung für die Wanderer parat.  Durch historische Hinweise sollte in den Anfängen Bruchsals ein Königshof vorhanden gewesen sein. Keiner wusste, wo dieser jemals gestanden hat.

Durch den Umbau der Innenstadt, wurden neben der Stadtkirche das ganze Arreal bis zu 3-4m Tiefe  aufgebaggert, um das Fundament für die Gebäude zur Innenstadtgestaltung zu gründen. Dabei stieß man natürlich auf die im Kriege zerstörten Grundmauern der Häuser. Kelleranlagen kamen zum Vorschein und viel verfüllter Schutt. Dabei stieß man auf eine art Stadtmauer mit Dohlen und unterirdischen Wassergräben. Nun wurde es interessant, denn darunter kamen weitere Mauerwerke zum Vorschein, die von Historikern in mühevoller Kleinarbeit freigelegt, fotografiert und kartiert wurden.  Dabei stellte sich heraus, dass diese zum Teil gut erhaltenen Ruinen ein Volltreffer war. Man konnte sie bis in die Vorzeit von Bruchsal datieren, denn der Bodenbelag eines größeren Raumes stammte seiner Art nach von einem reichen Bürger, oder war es der "Königshof", den man schon lange suchte? Weitere Grabungen bestätigten diese Annahme, denn das Mauerwerk zog sich bis unter die Stadtkirche. Ein solch großzügiger Gebäudekomplex konnte nur von einem ganz Reichen, also einem König stammen.

Die Luther Kirche
Die Stadtkirche
zur lieben Frau
Die Schlosskirche
Huttenstraße  Landmilizhäuser Hausheilige Bergfried des alten Schlosses

Und weiter zog die Wandergruppe durch das neu erstellte Geschäftszentrum am Spitzbubenbrunnen vorbei zum alten Brunnen auf dem Marktplatz, wo immer Mittwochs und Samstags Gemüse, Obst, Eier, Geflügel und sonst noch alles Mögliche aus der Region angeboten wird. Wie man in der BNN (Bruchsaler Neueste Nachrichten) lesen  konnte, sollen viele Sterne Köche aus dem Umfeld die frischen Waren dort einkaufen.

Am Alten Schloss vorbei, ja Bruchsal hat auch noch die Überreste eines alten Schlosses, das dem Krieg leider zum Opfer fiel. Der Burgfried ist noch das Einzige, was vom Schloss übrig blieb. Dann wechselten wir in die Huttenstraße, wo noch 2 von über 50 Gebäuden, die Fürstbischof Damian Hugo von Schönborn bauen ließ, zu sehen sind. Darin war seine Miliz untergebracht. Dahinter stand noch (Entschuldigung) die Weiberstrafanstalt, die ebenfalls den Bomben zum Opfer fiel. Die Huttenstraße blieb vom Bombenhagel weitgehenst unberührt, sodass man sich vorstellen kann, wie Bruchsal mal vor dem Kriege ausgesehen hat. An vielen Häuser sind noch die Hausheiligen vorhanden. Auch alte Eingangstore die zu den Hinterhöfen führen, sind in ihrem teils Neuen und teils Alten Zustand zu bewundern.

Von der Ferne sah man  das große Seniorenheim treppenförmig an den Hang gebaut und das Türmchen mit dem mächtigen Baukomplex, das Paulusheim (Katholisches Gymnasium). In früheren Zeiten war an dieser Stelle ein größeres Frauenkloster gestanden, das aber zerstört wurde und dafür später das Seniorenheim entstand.

 
Schlusssteine des alten Kreuzgewölbes Altarraum nachgebaut  Brunnen am Marktplatz
   
 Im Hintergrund die Peterskirche Das Paulusheim Die Andreas Staffel (130 Stufen).

Zwischen dem Seniorenheim ging eine Treppenanlage steil hinauf zum "Bell vedere" (Schöne Aussicht). Wir kamen so richtig ins Schwitzen, einmal dadurch, dass die Temperatur stetig anstieg, zum Anderen, weil wir 130 Treppenstufen überwinden mussten. Dafür wurden wir von einer interessanten Aussicht belohnt. Man könnte sie so beschreiben: "Bruchsal von oben".  Von links nach rechts gesehen: Das Saalbachtal, der Schlachthof mit Wasserturm erbaut um 1900 (Denkmal geschützt), die doppeltürmige Peterskirche dem Petersdom in Rom nachempfunden und von Baltasar Neumann als Griechisches Kreuz wieder errichtet, mit Gruft der Bruchsaler Fürstbischöfe unter dem Altar. "Santa Maria" hervorstechendes Gebäude, das alles überragt. Dann der schon bekannte Bergfried. Daneben die Stadtkirche. Etwas abgerückt die Pauluskirche. und in der Südstadt St. Anton. Ganznach rechts fast um das Belle Vedere herum versteckt sich die Hof b.z.w. Schloßkirche.

Man stellt fest, dass Bruchsal füher einmals das chirstliche, oder die Katolische Residenz war. Wir verweilten dort noch ein Weilchen um auch nach den Vogesen und dem Pfälzer Wald  Ausschau zu halten, die man verschwommen in Richtung Westen kaum erkennen konnte.

Weinberghäuschen an der  Alexanderstaffel
Das "Belle Vedere" Innenhof v. Schönborn Gymi

Schon mit vielem Input versehen, wanderte die Gruppe weiter. Nach ein paar Metern erreichten wir den Innenhof des "Belle vedere" und standen unter einer Platanenanlage, die uns Schatten bot. Hier erklärte der Wanderführer zu was dieses schöne Gebäude gebaut wurde. Zum Einen hatte unser Fürstbischof die Freude den Ausblick über die gesamte Rheinebene, also seiner Residenz zu haben, denn im Gegensatz zu damals war die Aussicht nicht versperrt. Der Berg war eine Wiesen- und Obstbaumlandschaft. Auf der anderen Seite beherbergte unser Fürstbischof Franz v. Hutten hohen Besuch, mit denen fröhnte er die Jagd, aber nicht im Wald und auf der Wiese, sondern er ließ einen 25 m Hohen Stamm in etwa am heutigen Ende der Platanenanlage aufstellen. An dessen Spitze flog ein Federvieh z. B. ein Fasan an einem 5 m langen Lederriemen angebunden umher, wobei die lüstere Jagdgesellschaft auf dem Dachbalkon Ihre Flinten anlegten und versuchten das Federvieh zu zerfleddern. Deshalb heißt das Belle Vedere auch "Das Schießhaus".

Unmittelbar in der Nähe des Schießhauses entstand auf Geheiß von Damian Hugo von Schönborn ein Wasserschlösschen zum Zwecke eines Wasservorrats, aber nicht zum Baden, sondern um die Springbrunnen des Schlosses mit genügend Wasser zu versorgen. Das Wasser wurde aus Quellen, aus dem Hinterland  mit zum 1. Male gegossenen Eisenrohre inclusives  Stecksystem, ins Wasserschlösschen herangeführt und gespeichert. Es war Baltasar Neumann, der die Wasserleitungen ohne Druckverlust erfunden hat, genauso wie wir sie heute noch verwenden. 1/2 Zoll, 3/4 Zoll......... Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich.

Außerden errichtete Schönborn auch noch eine Lehranstalt für die Bruchsaler, das heutige Schönborngymnasium. Durch das schmiedeeiserne Gitter konnten wir in den Pauseninnenhof sehen. Vor dem Eingang rechts entdeckten meine Wanderer die in den Boden eingelassenen Abi - Abschlusstafeln der letzten Jahre.

Das Schönborngymnasium wurde an das ehemalige Wasserschlösschen angebaut. Im dortigen Keller befand sich das große Wasservorhaltebecken, das aber zum Zwecke eines Fahrradkellers aufgefüllt und umfunktioniert wurde. Dicke Rohre führten zu Schönborns Zeiten hinab zum Schloss, unterquerten dieses und führten das Wasser an die Springbrunnenanlage weiter. Jetzt verließen wir die obere städtische Parkanlage und wanderten hinab über die B3 am Amtsgericht vorbei und standen vor dem prächtigen Bruchsaler Schloss. doch zuvor bewundeten wir den Amalien Brunnen, oder auch Schnecken Brunnen da am Brunnenrand Wasser speiende Schnecken sitzen. Leider war der Brunnen nicht in Betrieb, denn wenn man die Fühler der Schnecken zuhält, spritzen die Anderen nach den Brunnen- Besuchern.

Wir querten erneut die B3 und einer versuchte durch die Türe des Torwachtgebäudes zu kommen, was ihm jedoch nicht gelang, weil er aus der Nähe sah, dass die Türe, wie im Barock üblich, 3 Dimensional auf einer weißen Wand aufgemalt war.

 
 
Torwachtgebäude
Amalien oder
Schneckenbrunnen
Damians Tor
< Schloss von der         
   Gartenseite

 

Der unendliche Spiegel >
     im Fürstensaal
 

   Endlich im Schloss:

Frieder der Glückspilz hatte wieder einmal das Glück gepachtet, denn an diesem Tag war freier Eintritt ins Schloss und ins Deutsche Musikautomaten Museum angesagt. Dafür gab´s keine Führungen! Aber nicht bei Frieder, war er doch von 2000 - Ende 2006 Schlossverwalter im Schloss Bruchsal. Deshalb führte ich meine Gruppe im Schloss selbst durch die Räume. Alle waren scheinbar sehr zufrieden, wie mir gesagt wurde. Im Musikautomatenmuseum organisierte ich ebenfalls eine Führung. Über 500 Instrumente sind dort vorhanden und spielbereit. Es ist eines der vielseitigsten und größten Sammlungen der Welt. Durch den freien Eintritt sparte jeder Wanderer glatte 6.50 €. Das ist doch auch mal was, oder?

Nach dem Schlossbesuch traten wir ins Freie um noch den Feuchtwald zu besuchen, jedoch machte uns die Hitze einen Strich durch die Rechnung. Wir waren einhellig der Meinung, dass wir die Wanderung auf einen späteren Zeitpunkt verschieben sollten.

Also traten wir den Rückweg zum Bahnhof an. Hier verabschiedete sich Frieder unser Wanderführer von der Gruppe, die nun selbständig Ihren Weg nach Maulbronn und Illingen (Württ.) antrat.

Fazit: Auch eine Stadtwanderung kann seinen Reiz haben, vor allem, wenn interessierte Wandersleute dabei sind. Alle zu Hause Gebliebene haben eine schöne und interessante Wanderung verpasst. Schade!!!!!!!!!!!!!!

Das war´s für heute.

Euer Wanderführer Frieder.

Länge: ca. 4 km

Stadtführung: Stadt Mitte; Luther Kirche; Stadtkirche; Bergfried; Stadtpark; Historische Hutten Str. (auch genannt Kaffeegass); Andreasstaffel; Belle Vedere (Schöne Aussicht); Wasserschlösschen; Schönborngymnasium; Schießhaus; Obere Parkanlage; Amtsgericht; Schloss oder Hofkirche; Schloss Bruchsal mit 2 Besichtigungen Schloss und Musikinstrumente.

Mittagessen: Im "Bären (Biergarten)". Wir waren dort gut untergebracht. Das Essen wurde sehr gelobt. Die Bedienungen waren überaus freundlich. Wir erhielten als Vorspeise eine köstliche Suppe gereicht, die im Preis enthalten war, als Gruß aus der Küche.

Auf diesem Wege nochmal ein herzliches Dankeschön. Wir kommen bestimmt wieder.

Ein Dankeschön auch an unsere Mitwanderer vom Albverein Maulbronn.